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Hessische/Niedersächsische
Allgemeine
"Wunderrose"
klettert zum Dornröschen
Eine
jahrzehntelang übersehene Rose auf der Sababurg entpuppt sich als
erstaunliches Gewächs
von
HNA Redakteur Thomas Thiele
Aus
solchem Stoff werden Märchen geschnitzt: Es war einmal eine
wunderschöne Rose, die wuchs auf einer Burg still vor sich hin,
überstand härteste Prüfungen und nahm es - grau-grün und ganz ohne
Blüten - klaglos hin, dass sie jedes Jahr gestutzt wurde. Bis ein
Holländischer Prinz kam, sie anschaute, sie hegte und ihr neue Halt
gab. Da lebte sie auf, wuchs empor und überschüttete ihn mit Tausenden
von Blüten.
Ein
Märchen? Nein, denn genau das - wenn auch etwas nüchterner betrachtet
- hat sich gerade auf der Sababurg ereignet und erinnert beinahe an die
Geschichte vom (20 mal älteren) 1000-jährigen Rosenstock am
Hildesheimer Dom, der sogar die Zerstörung des Bauwerkes im letzten
Weltkrieg überlebte.
Auch
die lange Zeit übersehene Rose auf der Sababurg war einmal fast im
Boden verschwunden. Sie überstand vor rund 50 Jahren die Renovierung
des heutigen Dornröschenturmes der Burg und führte dann ein eher
unbeachtetes Dasein. Die meisten Trieben wuchsen lediglich am kleinen
Treppengeländer zum Palas empor oder im Innenhof entlang. Weil sie dort
den Parkplatz blockierten, wurden sie immer wieder gekappt.
Als
Burggärtner Gijsbert Vroegh 1997 sein Amt antrat, hielt er die
unbekannte Pflanze zunächst für eine andere Rose (Rosa wichuraiana),
die bis zum sechs Meter hoch wird. Er schnitt der Pflanze das erstemal
kräftig zurück und verankerte die Triebe an Mauerwerk. Im Juni des
folgenden Jahres kamen die Blüten erstmals richtig zur Geltung und es
wurden von Jahr zu Jahr mehr.
Mit
den Experten des Vereins Deutscher Rosenfreunde, die ihm zu dem seltenen
Fund gratulierten, fand Vroegh heraus, das es sich um die bekannte, aber
in dieser Größe und vor allem in solch historischer Umgebung sehr
seltene Wildrose Rosa filipes 'Kiftsgate' handelt, die aus dem Himalaja
mitgebracht und in England am Schloss Kiftsgate (Gloucestershire)
angepflanzt wurde, woher die Gartenform ihren Beinamen bekam. Wer das
Sababurger Exemplar wann herbrachte, ist unbekannt.
Dafür
ist die Pflanze umso bekannter. Aus ganz Deutschland kommen
Rosenfreunde, um dieser Prachtstück einer "Königin der
Blumen" zu bewundern. Vroegh: "Manche stehen hier mit Tränen
in den Augen." Der Duft tausender Blüten breitet sich über die
gesamte Burganlage aus und es liegt ein ständiges Summen der Hummeln in
der Luft. Neuerdings wächst die Rose drei Meter pro Jahr, ist jetzt
schon zwölf Meter hoch und erreicht nächstes Jahr das Fenster des
"Dornröschenzimmers" der Burg.
Am
heutigen Sonntag (1. Juli 2001) wird mit der Höhepunkt der Blüte
gerechnet, die dann wieder nachlässt - bis zum nächsten Jahr Mitte
Juni.
Siehe
auch:
Kletterrose
(R. filipes 'Kiftsgate') am Ostturm
des Dornröschenschlosses Sababurg. Ein Anblick den jeder Rosenfreund
sich nicht entgehen lassen sollte.

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