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VOM
BURGGARTEN ZUM BÜRGERGARTEN
Quelle:
Der Deutsche Garten.
Ein Jahrtausend
Naturerleben von Paul Landau
und Camillo
Schneider, 1928 Berlin
Der
Klostergarten, ein Bild abgeschlossenen Friedens, bot den Kranken, die an seinen
duftenden, blühenden Beeten saßen, Trost und Ruhe zur Genesung, während die
gesunden Brüder im Schatten des Obstgartens in frommen Nachdenken dahinwandeln
konnten. Eine ganz andere Stimmung durchweht den ritterlichen Burggarten. Hier
braust zum erstenmal in der deutschen Geschichte des Lebens heller Frohsinn über
den bunt geblümten Unger, und der Welt laute Wogen branden mächtig über die hohe
Mauer in den lieblichen Hag.
Die
sicher umwallten, hochgetürmten Burgbauten des Mittelalters waren in erster
Linie als unzugängliche Befestigungen angelegt, aber die Menschen richteten
sich in der Enge der Höfe und Gänge allmählich wohnlicher ein, und so wurde,
wo es nur irgend ging, ein Platz ausgespart, auf dem man ein paar Kräuter und
Blumen ziehen konnte. Ein Garten fehlte wohl keine Burg; wenn er nicht innerhalb
der Mauern angelegt werden konnte, so bepflanzte man am Fuß des Burgberges ein
Stück Land mit Obstbäume, zog nutzbare Pflanzen und Wurzeln für die
Hausapotheke, auch Rosen und Lilien. Man ging dann dazu über, weite Strecken in
das Burggebiet einzubeziehen, ganze Wälder und Seen, die zu großen Tiergärten
gestaltet, mit Mauern umgeben, mit besonderen Luft- und
Jagdhäusern ausgestattet wurden. Aber das waren Ausnahmen. Der eigentliche
Burggarten lag innerhalb der Umfriedung, manchmal auch in der Vorburg oder im
Burgzwinger zu Füßen des mächtigen Bergfriedes, des hochragenden Hauptturms.
Meist breitet sich das Gärtlein wie ein bunter leuchtender Teppich unter den
Fenster der Frauenwohnung aus, denn es war das Reich der Schlossherrin, die es
mit ihren Töchtern und Mägden pflegte, daraus für Küche und Krankenstube
viel Nutzen zog. Das Würz- und Blumengärtchen war oft mit einen Baum- und
Obstgarten vereinigt, der auch von den Ritter besonders geschätzt wurde.

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