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Speierling
Sorba domestica
eine
hessische Spezialität
Der Speierling, botanisch
Sorba domestica, ist ein
bemerkenswerter aber heute nur wenig bekannter Baum der deutschen Flora. Die geringe und lokal
begrenzte Verbreitung täuscht darüber hinweg, dass der mit der Eberesche verwandte
Baum in den klimatisch begünstigten Gebieten von Süd-, West- und Mitteldeutschland
früher eine weit größere Bedeutung hatte. Er wurde dort seit langen Zeiten
als Obstbaum kultiviert. Dies zeigen schon die zahlreichen Volksnamen: Spierbaum, Sperber,
Sperrbaum, Schmerbirne, Spierapfel, Escheritzenbaum. Heute finden wir den Speierling vor allem
in den südhessischen Obstanbaugebieten. Der Most aus seinen Früchten wird dem "Stöffche",
wie das Frankfurter Nationalgetränk Apfelwein auch genannt wird, zugesetzt. Und das hat
seinen Grund: die ungefähr kirschgroßen Früchte variieren in der Form sehr
stark. Mal sind sie Apfel-, mal eher birnenförmig. Zur Zeit der Ernte Anfang September,
wenn sie noch hart und unreif sind, erhalten sie sehr viel Gerbsäure. Gleich nach der
Ernte werden die Früchte des Speierlings gekeltert und der Most in Fässer gefüllt.
Erst wenn die Hauptgärung des Apfelmostes abgeschlossen ist, wird der schon vorher
ausgepresste Speierlingssaft dem gärenden Apfelmost beigegeben. Speierlingssaft klärt den Apfelwein,
verhilft ihm zu längerer Haltbarkeit und verleiht ihm vor allem den von den Apfelweintrinkern
so geschätzten unverwechselbaren Geschmack, der mit anderen Mitteln nicht zu erreichen
ist. Schon J. L. Christ schreibt 1797 im Handbuch über die Obstbaumzucht: "Man hat
entdeckt, dass die Früchte einen vortrefflichen Wein ergeben. Der Wein wird nicht
von Farbe sehr schön, sondern auch stark und gut. Es müssen aber Äpfel mit untergekeltert
werden, da dann ein Malter Speierling und zwei Malter Äpfel ein Ohm vortrefflichen Cyder
ergeben."
Von ihrer Hauptrolle im Apfelwein einmal abgesehen,
wird der Speierling auch gern in Gläser eingemacht. Früher durfte er sich noch als
Hausmittel gegen Ruhr, Durchfall und Erbrechen bewähren.
Speierlinge stellen hervorragende Haus- und Landschaftsbäume
dar, deren Vorzüge leider weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Sie entfalten sich
am richtigen Standort - geeignet sind Hanglagen mit kalkreichen, nicht zu feuchten Böden
- zu großen und dekorativen Bäumen, die Generationen überdauern und im Herbst
durch ihre weithin leuchtende Färbung eine besondere Freude sein können. Die stattlichen
Kronengerüste brauchen kaum einen Schnitt und werden selten von Schädlingen und Krankheiten
heimgesucht. In seinen Wärmeansprüchen ähnelt der Speierling der Weinrebe. Er
ist ein Baum, der die wärmeren und tieferen Lagen der Niederungen und des Hügellandes
mag.

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